ist das Motto der Ausstellung, aus dem Lateinischen: vita – Leben; vitalis – zum Leben gehörend,
auch: lebensspendend, lebenserhaltend, lebensnotwendig, lebenswert.
„Es ist – als ob es lebt!“ war eine Reaktion schon auf ganz frühe meiner Arbeiten. Einige dieser „Früh-linge“ sind hier mit vertreten.
Von meinem achten bis zum diesjährigen vierzigsten Lebensjahr sind ca. vierzig Exponate ausgewählt.
Für die breit angelegte Präsentation sei VITA-LIS eine passende Überschrift.
Es ist meine Absicht, mit positivem Thema selbst im grauen November Lebensfreude anzufachen.
Die Quelle
Tag für Tag nehmen uns die Belange des Lebens in Beschlag – so sehr,
dass selten bewusst wird, wie erstaunlich das Leben doch ist.
Dass es überhaupt ein Universum gibt, ist erstaunlich.
Da ist die Unendlichkeit des Raumes,
in dem sich unser Raumschiff „Erde“ schwebend bewegt – unabhängig vom jeweiligen Tagesgeschehen.
Inmitten gigantischer Trostlosigkeit – das Wunder des Lebens auf dem bewohnten Planeten!
Die hochkomplizierten, scharfsinnig ineinander verwobenen Mechanismen des Lebens und
die Existenz der Gesetzmäßigkeiten allen Seins – laden ein zur Stille, zum Betrachten und zum Staunen.
VITA-LIS möchte in Anbetracht des Wunders des Lebens – die geheimnisvoll verborgene
Quelle des Lebens – aufspüren, vom puren Leben trinken, auf dass Leben sich entfalte und
weiter fließt, und viele mit Lebenssinn und Lebensfreude erfüllt.
Zitate
Von jeher haben Menschen Schutz gesucht vor dem Zerstörerischen. Der Zugang zur Quelle des Belebenden wurde ebenso
von Generation zu Generation weitergereicht. Ich zitiere vorwiegend sehr frühe solcher Zeugen des Lebens.
Entsprechend meiner Ansicht, Kunst sei die unbarmherzige Hervorkehrung des Innersten des Herzens,
klären sich – ausgehend von der Form – Inhalte und Zitate meist erst während des Arbeitens.
Zitate sind nur hier und da zugeordnet, als Anregung zur selbstständigen Interpretation.
Ich nutze die Übersetzung von F. H. Baader, der die Bedeutung der einzelnen Begriffe unerhört wortschöpferisch ins Deutsche überträgt.
Außerdem ist da die Übersetzung „Hoffnung für alle“ und mitunter auch eigene Wortwahl. Die etwa zehnjährige Unterbrechung der Bildhauerei,
in denen ich mich dem Studium der Theologie und einer damit verbundenen Arbeit mit Menschen gewidmet habe, kommen hier zugute.
VITA-LIS sei als Einladung zu verstehen auf der Suche nach Leben diese frühen Zeugen zu betrachten.
Geschichtliche Einordnung
Im alten Römischen Reich – die schnell wachsende Zahl von Menschen,
denen sich durch diese frühen Zeugen eine unerwartet andere Lebensqualität eröffnet.
Der Staat fürchtet die neue Gedankenströmung. Doch grausame Verfolgungen stärken die Bewegung – bis das ganze Reich unterwandert ist.
Mit Kaiser Konstantin kommt im vierten Jahrhundert die Wende. Der in Mode gekommene Glaube wird für alle verbindlich.
Das Reich soll vereint werden ehe es an Größe und Unmoral zerbricht. Machtgier und Kontrollzwang sind in Schafspelz gekleidet.
Die Dekadenz des Ursprünglichen nimmt seinen Lauf bis hin zu Inquisition und Ablassverkauf, bis hin zur Abwehr des progressiven Forschens.
Den einfachen Menschen wird das Lesen dieser allzu heiligen Schriften verboten.
Reformation kann das Ursprüngliche nur ansatzweise beleben. Die Epoche der Aufklärung wird verständlich.
Versehens wird ein Kind mit dem Bade ausgeschüttet, da offenbar kein Kind wahrzunehmen ist.
VITA-LIS sagt: Das Kind gibt es. Doch ist es nicht leicht zu finden. Möglicherweise mit Absicht hält es sich teils verborgen.
Wenn offensichtlich wäre, wie lohnend das Trinken vom Quell des Lebens ist, gäbe es keine Freiheit auch ohne diese Quelle zu sein.
Doch ohne Freiheit keine wahre Beziehung.
Relevanz
Max Horkheimer, deutscher Philosoph und Soziologe, einer der Gründungsväter der neomarxistischen Frankfurter Schule,
erklärt am Ende seines Lebens: „Politik ohne Theologie ist absurd.
Alles, was mit Moral und Menschlichkeit zusammenhängt, geht auf die biblische Botschaft zurück.
Und die Rebellion der Jugend ist eine unbewusste Verzweiflung, hinter der die ungestillte religiöse Sehnsucht steht.“
Theodor Heuß, erster Bundespräsident, in den 1950er-Jahren: „Europa baut auf drei Hügeln.
Der Areopag (das griechische Denken von der Demokratie), das Capitol (das römische Denken vom Staat und seinen Bürgern) und
Golgatha (das christliche Denken von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde).“
Der Publizist Peter Scholl-Latour: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes.
Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“
Bereits Goethe analysiert messerscharf: „Alle Epochen, in denen der Unglaube einen kümmerlichen Sieg behauptet,
verschwinden vor der Nachwelt, weil sich niemand gern mit der Erkenntnis des Unfruchtbaren abquälen mag.“
Der Philosoph Robert Spaemann beklagt die intolerante Dogmatisierung des Relativismus: „Die Forderung, andere Überzeugungen zu achten,
wird inzwischen zur Forderung, keine eigenen Überzeugungen zu haben. Und wer sie dennoch vertritt, gilt als intolerant.“
Ein Abiturient in einem Aufsatz über die heutige Elterngeneration: „Ihr habt uns halbstark gemacht, weil ihr schwach seid.
Ihr habt uns keinen Weg gewiesen, der Sinn hat. Weil ihr selbst den Weg nicht kennt und versäumt habt, ihn zu suchen.“
Der Trendforscher Horst W. Opaschowski: „Die Sinnfrage ist wieder wichtiger als die Spaßfrage.
Auf das Vakuum einer oberflächenbetonten Weltsicht folgt die Sehnsucht nach Werten.“
Bundespräsident Horst Köhler: „Gott ist für mich wichtig. Es ist gut, wenn die Menschen einen Anker haben,
der tiefer reicht als die Frage nach dem neuen Auto.“
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer, kurz vor seiner Hinrichtung:
„Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf alle unsere Fragen ist. Sie wird mir täglich wunderbarer.
Es bleibt also nichts als die Entscheidung, ob wir dem Wort der Bibel trauen wollen wie keinem anderen Wort im Leben und im Sterben.
Und ich glaube, wir werden erst dann recht froh und ruhig werden können, wenn wir diese Entscheidung getroffen haben.“
Sämtliche Zitate sind aus „Schluss mit lustig“ von Peter Hahne, 2004.
Resümee
VITA-LIS befasst sich mit Grundfragen des Lebens.
VITA-LIS betrachtet frühe Zeugen des Lebens mit neuen Augen und spürt den geheimnisvoll verborgenen Quell des Lebens auf.
VITA-LIS bringt Lebensfreude in den grauen November.
Samuel Büttner, im August 2006,
konzeptuelle Überlegungen für eine Ausstellung im Hauptstellengebäude der Sparkasse Vogtland in Plauen, vom 30.10.2006 bis zum 24.11.2006